UX-Designer finden: So triffst du die richtige Wahl

Die meisten Unternehmen suchen einen UX-Designer, indem sie Portfolios sammeln. Sie schauen sich Arbeiten an, vergleichen Stile und entscheiden nach dem, was ihnen optisch gefällt. Der wichtigste Schritt liegt aber vor dem ersten Portfolio. Wer nicht weiß, was im eigenen Produkt klemmt, kann nicht beurteilen, ob jemand es lösen wird.

Eine gute Auswahl ist deshalb weniger eine Frage des Glücks als der Vorbereitung. Sie läuft in drei Schritten ab. Zuerst klärst du für dich, was du eigentlich brauchst. Dann grenzt du im Gespräch die Kandidaten ein. Zum Schluss sicherst du im Vertrag, dass die Zusammenarbeit hält, was im Gespräch versprochen wurde.

In diesem Artikel zeige ich dir in drei Schritten, wie du jemanden findest und prüfst, der deine gewachsene Software wirklich klarer macht.

Artikelübersicht

Schritt 1: Klär zuerst, was bei dir klemmt

Bevor du jemanden suchst, beschreib das Problem so konkret wie möglich. Nicht „unsere Oberfläche ist veraltet“, sondern an welcher Stelle brechen Nutzer einen Vorgang ab. Welche Aufgabe dauert zu lange oder wird falsch ausgeführt. Welche Frage landet immer wieder im Support. Je genauer du das benennst, desto besser kannst du im Gespräch beurteilen, ob jemand das Richtige vorschlägt.

Das hat einen zweiten Nutzen. Eine erfahrene Person fragt dich genau danach. Wenn du eine klare Antwort hast, merkt sie sofort, dass du dein Produkt kennst. Das verändert das Gespräch. Ihr redet dann über die Sache und nicht über allgemeine Designtrends.

Sei ehrlich beim Budget

Der zweite Teil der Vorbereitung ist unangenehmer. Du musst wissen, wie viel Geld real zur Verfügung steht. Nicht die Wunschsumme, sondern die Zahl, die du tatsächlich freigeben kannst. Diese Zahl entscheidet, ob ein kleiner erster Schritt sinnvoll ist oder ein größeres Projekt. Wer mit einem unklaren Budget ins Gespräch geht, bekommt unklare Angebote zurück. Wer seine Grenze kennt, kann den Umfang gemeinsam darauf zuschneiden.

Schritt 2: Erst die Vorauswahl, dann das Gespräch

Kandidaten findest du dort, wo deine Zielgruppe ohnehin unterwegs ist. Über Empfehlungen aus deinem Netzwerk, über LinkedIn, über die Portfolios, die online auffindbar sind. Empfehlungen wiegen am schwersten, weil dahinter eine echte Zusammenarbeit steht und nicht nur eine Selbstdarstellung.

Beim Portfolio lohnt sich ein nüchterner Blick. Es zeigt dir, ob jemand sauber gestaltet und ob der Stil zu dir passt. Mehr nicht. Ob diese Person dein konkretes Problem löst, steht dort nicht. Ein schönes Portfolio kann auf einem Projekt beruhen, bei dem jemand anderes die Struktur gelegt hat. Nutze es deshalb als Vorauswahl, nicht als Entscheidung. Es sortiert aus, wer handwerklich nicht passt. Es beweist nicht, wer dir hilft.

Die Entscheidung fällt im Gespräch. Zwei bis drei Kandidaten reichen. Mehr Gespräche bringen selten mehr Klarheit, sie kosten nur Zeit. Geh mit deinem konkret beschriebenen Problem aus Schritt 1 in jedes Gespräch und achte darauf, wie die Person damit umgeht.

Woran du im Gespräch gute von oberflächlicher Arbeit unterscheidest, habe ich in einem eigenen Artikel ausführlich beschrieben. Die kurze Fassung: Achte darauf, ob jemand beim Problem beginnt oder beim Layout. Ob der Preis klar benannt wird. Ob die Übergabe an deine Entwickler mitgedacht ist. Und ob dir die Person auch mal widerspricht, statt jeden Wunsch abzunicken.

Schritt 3: Was in Angebot und Vertrag gehört

Bis zu diesem Schritt hast du bereits eine Person gefunden, der du zutraust, dein Problem zu lösen. Jetzt geht es darum, die Zusammenarbeit so festzuhalten, dass beide Seiten wissen, woran sie sind. Der Vergleich von Angeboten über den Preis allein führt in die Irre. Zwei Angebote mit derselben Summe können sehr unterschiedlich viel enthalten.

Was genau im Umfang enthalten ist und was nicht

  1. Was genau im Umfang enthalten ist und was nicht
  2. Wie viele Korrekturschleifen vorgesehen sind
  3. Ob du die Quelldateien bekommst, nicht nur das fertige Ergebnis
  4. Welche Liefertermine und Zwischenschritte vereinbart sind
  5. Wie mit Mehraufwand umgegangen wird, wenn der Umfang während des Projekts wächst

Der letzte Punkt ist der wichtigste. In gewachsener Software stellt sich oft erst während der Arbeit heraus, wie tief ein Problem reicht. Eine Regelung für diesen Fall schützt dich vor einer Rechnung, mit der du nicht gerechnet hast. Und sie zeigt dir noch einmal, wie die Person arbeitet. Wer den Umgang mit Mehraufwand von sich aus anspricht, denkt an eine faire Zusammenarbeit und nicht an die nächste Zusatzrechnung.

Fazit

Eine gute Auswahl ist kein Glücksspiel. Sie ist Vorbereitung, ein gutes Gespräch und am Ende ein Stück Bauchgefühl. Die ersten beiden kannst du steuern. Wer das Problem vorher klar benennt, wer das Budget ehrlich kennt und wer im Gespräch auf die richtigen Dinge achtet, trifft selten eine schlechte Wahl. Das Bauchgefühl ist dann nur noch die Bestätigung, kein Ersatz für die Vorbereitung.

Der größte Fehler bleibt, den ersten Schritt zu überspringen. Wer ohne klares Problem und ohne klares Budget Portfolios vergleicht, entscheidet nach Optik. Und Optik sagt am wenigsten darüber aus, ob jemand deine gewachsene Software wirklich durchdachter macht.

Du musst die Auswahl auch nicht in einem großen Sprung treffen. Ein kurzer UX-Audit ist ein guter erster Schritt. Du lässt einen echten Ausschnitt deines Produkts ansehen, einen Bereich, in dem Nutzer regelmäßig hängenbleiben. Du bekommst konkrete Verbesserungen und siehst gleichzeitig, wie die Person arbeitet. Das Risiko bleibt klein, und du weißt danach, ob eine größere Zusammenarbeit Sinn ergibt.

Eine sorgfältige Auswahl kostet dich ein paar Stunden Vorbereitung. Eine falsche kostet dich Monate.

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Manuela Aksu Ich bin Manuela, freiberufliche UX/UI-Designerin aus München. Seit 2013 bin ich selbständig und arbeite an gewachsenen B2B-Webanwendungen und bringe sie zurück in eine klare Struktur. Hier im Blog schreibe ich über Reibung in Software und über die Annahmen in der Produktarbeit, die immer wieder in die Irre führen. Außerdem gebe ich Einblicke, wie ich an diese Themen herangehe.

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Notizen aus der Praxis

Einmal pro Woche schreibe ich über ein Reibungssymptom aus meiner Arbeit an B2B-SaaS und wie es sich lösen lässt. Kurz, konkret, ohne Umschweife. Für Product Owner, CTOs und Gründer, die ihr Produkt klarer machen wollen.

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